Mittwoch, Oktober 23, 2019
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Warum kommt es überhaupt zu einer Scheinträchtigkeit ? Dazu müssen wir uns zuerst einmal das Verhaltensrepertoire des Urahnen unserer Caniden, also des Wolfes anschauen. In einem Wolfsrudel darf nur eine Hündin Welpen haben, nämlich die Alpha-Hündin. Das Alpha-Paar verhindert durch Dominanzverhalten den Rangniederen gegenüber und durch Ausschüttung von Geruchshormonen einen Deckakt unter den anderen Tieren des Rudels. Naht nun im Wolfsrudel der Moment der Geburt, zieht sich die Wölfin in das vorbereitete Lager zurück, währenddem die anderen aufgeregt das Nest gegen Eindringlinge bewachen. Die ersten Tage und Wochen lässt die Mutter keinen ihrer Artgenossen an die Welpen heran, diesbezüglich reagiert sie sehr aggressiv (sog. maternale Aggressionen). 
Dann kommt die Zeit, wo die Kleinen die ersten Schritte aus der Höhle wagen. Ab diesem Zeitpunkt bleibt die Mutter immer mehr im Hintergrund. Nun wird ihr die Arbeit durch die anderen Rudelmitglieder erleichtert (dies um sich rasch möglichst von der Geburt zu erholen). Der Wolfsvater z.B. nimmt die Erziehung seiner Kinder sehr ernst, die Onkels hingegen gelten als Spielgefährten und Kumpels der Welpen. Die weiblichen Tiere im Rudel (Tanten und Halbschwestern), welche sich nicht fortpflanzen können (bzw. dürfen), entwickeln maternale „Gefühle“, d.h. sie übernehmen grundsätzlich die Arbeiten der Mutter, indem sie die Jungen pflegen und ernähren (aufgrund hormoneller Einwirkung schiesst die Milch in die Milchleisten ein). Genau dieses Bild der Adoptivmutter (Amme) finden wir bei der uns bekannten Scheinträchtigkeit. 
Wenn nun unsere Hündin die Anzeichen einer Scheinträchtigkeit zeigt, dann ist sie also keinenfalls krank oder gar verhaltensgestört, sondern es ist eine Verhaltensweise, welche sich aufgrund von Instinkt ausdrückt.

Wie kann eine Scheinträchtigkeit ablaufen ?

Oft nimmt die Hündin an Gewicht zu, sie wird im Verhalten träger, sie kann manchmal sogar richtig „depressiv“ wirken. Eventuell legt sie ein Lager an und verliert, um dieses bequem auszustatten, einiges an Fell. Die Zitzen vergrössern sich und es kann zum Milcheinschuss kommen. Manche Hündinnen machen im Extremfall sogar eine Scheingeburt durch. 
Die meisten Hündinnen zeigen aber physisch kaum Veränderungen. Psychische Veränderungen, wie verstärkte Anhänglichkeit und Verschmustheit, Unberechenbarkeit, Verweigern von Befehlen, Aggressivität gegenüber Artgenossen, zeigen sich dagegen sehr häufig.
Manche Menschen finden es belustigend, wenn eine Hündin auf einmal Nestbauallüren zeigt, ihre Spielsachen behütet und innig liebt. Es ist ein Fehler, wenn man die ersten Anzeichen, weil es ja so süss ist, mit bestimmten Gefühlsausbrüchen und besänftigendem Zureden unterstützt. Dies bestärkt die Hündin in ihrem Verhalten nur noch mehr.

Welche Folgen kann denn die Scheinträchtigkeit für die Hündin haben ?

Nur selten kann eine Hündin die ursprüngliche Funktion einer Scheinträchtigkeit, nämlich in dem sie als Amme fungiert, auch ausüben. Damit würden sich nämlich die gesundheitsschädigenden Folgen erübrigen. Ohne diese Möglichkeit führt eine über Jahre immer wieder auftretende Scheinträchtigkeit zu Mamma- und Gebärmuttertumoren und damit unweigerlich zur Totaloperation.

Wie kann die Scheinträchtigkeit behandelt werden ?

Das Motto heisst: Abwechslung ! Bringen Sie die Hündin auf andere Gedanken, auch wenn sie noch so müde ist. Machen Sie lange und abwechslungsreiche Spaziergänge, zeigen Sie ihr Neues, fahren einmal mehr pro Woche auf den Hundeplatz, nehmen Sie sie mit zum Shopping, usw. Räumen Sie alle Plüschtiere und Quitschis weg.
Ist die Milch schon eingeschossen, kann mit Kampfer- oder Essigumschlägen Erleichterung geschaffen werden. Sehr gut bewährt bei schon beginnenden Verhärtungen in der Milchleiste (Mastitis) hat sich auch Traumeel-Salbe von der Firma Heel. Auf keinen Fall darf die Milch abgemolken oder abgetrunken (z.B. durch Katzen) werden.
Ausserdem können Homöopathische Mittel und Bachblüten angewendet werden. Wenn eine Hündin schon mehrmals eine problematische Scheinträchtigkeit durchgemacht hat, werden die Mittel eventuell nicht sofort Abhilfe schaffen, aber es tritt von Mal zu Mal eine Abschwächung der Symptome ein. Es ist bei einer solchen Hündin auch empfehlenswert, die Behandlung ca. 3 – 4 Wochen nach Beendigung der Läufigkeit zu beginnen. Man kann homöopathische Einzelmittel einsetzen, was allerdings die genaue Kenntnis der Arzneimittelbilder voraussetzt. Es gibt aber auch Komplexmittel, deren Anwendung sich besonders für den Anfänger anbietet.

·         Bei vorwiegend psychischen Symptomen:
Hormeel Tabletten oder Tropfen 2 x täglich
Ypsiloheel Tabletten 2 x täglich

·         Als Prophylaxe
Hormeel Injeel ab der 3. – 4. Woche nach der Läufigkeit 1 – 2 x Injektion subkutan innerhalb von 3 – 4 Tagen, danach
Gynäcoheel Tropfen 2 x täglich

·         Falls das Gesäuge entzündet ist zusätzlich:
Traumeel Tabletten oder Tropfen 2 x täglich über 10 Tage 
Traumeel Salbe 3 – 4 x täglich auf das Gesäuge auftragen

 

Man sollte sich auch bei den Fällen nicht entmutigen lassen, die schon mehrmals eine schwere Scheinträchtigkeit durchgemacht haben und bei denen sich der sofortige Erfolg nicht gleich einzustellen scheint. Bei der 1. Behandlung gibt es nur eine leichte Besserung, die sich deutlich bei der 2., 3. und weiteren Behandlung steigern läßt, bis hin zum völligen Verschwinden der Erscheinungen. Es ist wichtig, sich diese Wirkungsweise vor Augen zu halten, um den Erfolg der Behandlung nicht zu gefährden, weil man bei der 1. Behandlung keine gravierenden Änderungen erkennt.